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Professionelle Absagenhandhabung II Oktober 9, 2006

Posted by überqualifiziert in Absagen.
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Ü-Mans kleine Revanche an den Banken

Ü-Man hat sich heute einen Traum erfüllt; er hat sich indirekt für eine Absage revanchiert. Zwar spät, aber immerhin.

Es begab sich zur Zeit seiner Weiterbildung, dass Ü-Man bei einer Sparkasse zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Ausgeschrieben war eine Sachbearbeiterstelle im Bereich der Zwangsvollstreckung – nichts Besonderes also. Hochmotiviert und im feinen Zwirn ging es auf den Weg. Dort angekommen, traf Ü-Man auf eine Konkurrentin um die Stelle: etwa 25, Modelmaße, Gesicht wie für die Kosmetikwerbung gemacht, zwei Staatsexamen Jura, beide Prädikat. Ersteres sah man ihr an, letzteres erzählte sie bereitwillig.

Der geneigte Leser erahnt, wie groß die Chance von Ü-Man war, direkt nach der Vorstellung dieser Dame das vierköpfige Panel aus älteren und wohlbeleibten Sparkassenentscheidungsträgern zu Begeisterungsstürmen hinzureißen. Gegen Young’n’Sexy-Ü-Woman hatte er nicht den Hauch einer Chance. Wieder wurde aus Hoffnung Enttäuschung.

Sprung in die Gegenwart. Ü-Mans großer Bruder gehört zu der Sorte Mensch, die ihr Geld wohl am liebsten unter das Kopfkissen legen würden. Oder in einen Sparstrumpf, wenn ihnen denn jemand einen solchen stricken würde. Sparbücher, die jahrelang unangetastet herumliegen, sind sein Markenzeichen. Verzweifelte Bankangestellte, die ihn zu einer Geldanlage überreden wollen, säumen seinen Weg.

Heute löste er also eines seiner Sparbücher auf, um das Geld näher vor Ort zu haben.

Akt I: Operation Heim- und Auszahlung
Montag Vormittag, 11:30 Uhr, Sparkasse

Bruder: „Tag. Ich will mein Sparbuch auflösen. Alles in großen Scheinen, bitte.“
Angestellte: „Moment, da muss ich meinen Chef fragen, ob wir soviel Geld in großen Scheinen da haben.“
Bruder: „Tun Sie das.“
Angestellte: „Da steht wohl eine größere Anschaffung ins Haus, oder?“
Bruder: „Nein. Ich zahle es woanders ein.“
Angestellte: „Oh. Haben Sie schon mal daran gedacht, Ihr Geld bei uns anzulegen? Wir hätten da…“
Bruder (unterbrechend): „Nein.“
Angestellte: „Na, jetzt überlegen Sie doch mal, Sie könnten bei einer Laufzeit von x einen Zins von…“
Bruder: „Nein.“
Angestellte: „Waren Sie möglicherweise unzufrieden mit uns?“
Bruder (genervt): Naja, mein Bruder hat sich mal auf eine Stelle bei einer Sparkasse beworben und eine Absage kassiert.
Angestellte: „Aber.. sowas passiert doch täglich tausendfach und ist doch kein Grund, nun ihr Geld bei uns abzuheben.“
Bruder: „Für mich schon. Kann ich jetzt bitte mein Geld haben? Ich habe nicht ewig Zeit.“

Der Betrag musste – zu unserer beider Belustigung – schließlich teilweise in 50-Euro-Scheinen ausgezahlt werden. Es war eine kleine Filiale, sicher, aber auch ein cooles Gefühl, eine Bank kurzfristig legal geleert zu haben.

Zur Einzahlung der Summe schließlich wurde Ü-Man mit einem anderen Sparbuch bewaffnet und losgeschickt.

Akt II: Operation Hoffnung und Enttäuschung
Montag Nachmittag, 14:05 Uhr, Volks- und Raiffeisenbank

Ü-Man: „Guten Tag, ich möchte dieses Geld auf dieses Sparbuch einzahlen.“
Angestellte: (zählt Geldscheine, trägt Geld ein, blickt auf die Endsumme)
Angestellte (bedröppelt): „Also, das tut mir ja in der Seele weh. So viel Geld und so ein mickriger Zins. Sie wissen, dass Sie Geld verschenken? Wollen Sie das nicht mal irgendwie anlegen?“
Ü-Man: „Wenn ich es mir so überlege, das ist eine tolle Idee. Würde ich schon gerne machen.“
Angestellte (beglückt): „Dann machen wir doch gleich einen Beratungstermin aus.“
Ü-Man: „Prima. Nur: dummerweise gehört das Geld nicht mir, sondern meinem Bruder.“
Angestellte (ordnet den Namen meinem Bruder zu, erinnert sich an erfolglose Versuche, seiner habhaft zu werden und zieht die Mundwinkel nach unten): „Dann sagen Sie Ihrem Bruder mal einen Gruß und dass er es sich wirklich überlegen sollte…“
Ü-Man: „Mein Bruder setzt sich mit Ihnen in Verbindung, wenn er etwas anlegen will.“
Angestellte (erahnt die Hoffnungslosigkeit hinter diesem Satz): „Und sagen Sie ihm, dass er wirklich, wirklich Geld verschenkt. Er kann mich jederzeit anrufen.“
Ü-Man: „Mmh, schönen Tag noch.“

Ja, es hat doch etwas Erhebendes, anderen Leuten die Enttäuschung und Ablehnung angedeihen zu lassen, die man sonst exklusiv für sich alleine hat, wenn wieder eine Absage in der Post liegt. Vielleicht sollte sich Ü-Man jetzt wirklich mal bei der Volks- und Raiffeisenbank bewerben…

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Kommentare»

1. Martin - Oktober 12, 2006

Die kleinen Freuden des Alltags … 😉

Nur schade, daß der Hintergrund ja eher ernst ist …

Aber mit Bewerbungen bei Banken habe ich auch schon so meine Erfahrungen gesammelt …

2. geld helfer - Dezember 5, 2006

=) ja ich hab nur absagen von banken, scheiss job -.-

^^


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